Diagnose: Laktose-Intoleranz

Viele Betroffene ignorieren zunächst die Beschwerden oder tun sie als vorübergehende Verdauungsstörung ab. Sollten Sie jedoch mehrere der beschriebenen Symptome nach dem Verzehr von milchhaltigen Speisen bei sich beobachten, dann sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

Symptome der Laktose-Intoleranz:

  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen, Bauchkoliken
  • Blähungen
  • Durchfall
  • unspezifische Beschwerden wie z. B. Müdigkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Abgeschlagenheit, Erschöpfungszustände

Symptome der Laktose-Intoleranz

Die Symptome wie Blähungen, Übelkeit, Aufstoßen setzen zumeist kurze Zeit nach Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln ein. Durchfallartige Beschwerden können jedoch auch erst Stunden später eintreten und sogar mehrere Tage anhalten. Neben den Beschwerden des Verdauungstraktes leiden viele Menschen außerdem unter allgemeiner Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und allgemeinem Unwohlsein.

  Das Beschwerdebild ist individuell ganz verschieden und hängt nicht allein von der verzehrten Laktosemenge ab. Viele Patienten besitzen eine Restlaktaseaktivität und können bestimmte Mengen an Laktose verdauen. Außerdem ist die Darmflora unterschiedlich zusammengesetzt, so dass auch die Zusammensetzung der beim Gärungsprozess im Dickdarm entstehenden Spaltprodukte variiert. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Geschwindigkeit, mit der der Speisebrei den Dünndarm passiert. Je langsamer dies vonstatten geht, umso größer ist die Chance, dass die Nahrung mit der Laktase, die sich auf der Dünndarmschleimhaut befindet, in Kontakt kommt. Aus diesem Grund werden im Allgemeinen kalte und fette Speisen besser vertragen, denn sie führen zu einer verzögerten Entleerung.

Arzt-Patient-Gespräch

Schildern Sie genau Ihre Symptome und sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin auf Ihren Verdacht einer Laktose-Intoleranz an.

Ihr Arzt wird Sie zunächst ausführlicher zu Ihren Ernährungsgewohnheiten befragen und sich Ihre Beschwerden schildern lassen. Hilfreich ist es, wenn Sie ein Ernährungstagebuch geführt haben, das dokumentiert, wann und nach welchen Speisen die einzelnen Symptome aufgetreten sind.

Außerdem wird Ihr Arzt bei seiner Diagnose auch andere Darmerkrankungen berücksichtigen, um diese als Ursache Ihrer Beschwerden auszuschließen.

Laktosefreie Diät

Eine sehr zuverlässige Methode, um herauszufinden, ob und in welchem Ausmaß Ihre Beschwerden mit dem Verzehr von Milchprodukten zusammenhängen, ist die laktosefreie Diät. Führen Sie diese Diät in Abstimmung mit Ihrem Arzt durch. Versuchen Sie dabei, zwei Wochen völlig auf laktosehaltige Lebensmittel zu verzichten. Gleichzeitig muss natürlich die Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen sichergestellt sein.

Die Übersicht unter Laktosefreie Ernährung zeigt Ihnen, wie Sie einen entsprechenden Speiseplan zusammenstellen können. Sind Sie in dieser Zeit beschwerdefrei, so ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine vorliegende Laktose-Intoleranz. Anschließend sollten Sie nach und nach austesten und in Ihrem Ernährungstagebuch notieren, wie Sie Lebensmittel mit einem geringen Gehalt an Laktose vertragen.

Diagnostische Tests

Gendiagnostik

  • Genotyp -13910 C/C:
    primärer Laktasemangel ist nachgewiesen
    (bei etwa 10 bis 20 % der deutschen Bevölkerung)
  • Genotyp -13910 C/T:
    primärer Laktasemangel ist unwahrscheinlich
    (bei etwa 30 % der deutschen Bevölkerung)
  • Genotyp -13910 T/T:
    kein primärer Laktasemangel
    (bei etwa 50 % der deutschen Bevölkerung)

Das einfachste und angenehmste Verfahren zum Nachweis einer primären Laktose-Intoleranz ist ein Gentest. Seit einigen Jahren weiß man, dass der Laktasemangel mit einer Genveränderung an einer ganz bestimmten Stelle vor dem Laktase-Gen verknüpft ist. Mittels des Gentests wird bestimmt, ob an der fraglichen Position 13910 im Laktase-Gen ein Austausch der Basen Thymin (T) und Cytosin (C) vorliegt. Für diesen Test ist lediglich eine Blutprobe oder eine Speichelprobe aus der Wangenschleimhaut notwendig.

Ein sekundärer Laktasemangel — also ein Laktasemangel infolge einer zugrundeliegenden Darmerkrankung — lässt sich mittels des Gentests nicht nachweisen. Deshalb wird empfohlen, bei negativem Gentest und vorliegenden typischen Laktose-Intoleranz-Symptomen einen Atemtest durchzuführen.

Der H2-Atemtest ist mit deutlich mehr Unannehmlichkeiten verbunden. Bei diesem Verfahren macht man sich zunutze, dass die infolge des Laktasemangels ungespaltenen Milchzuckermoleküle durch die Bakterien im Dickdarm zersetzt werden und dabei u. a. Wasserstoff (H2) entsteht. Dazu wird zunächst im nüchternen Zustand der Wasserstoffgehalt der Atemluft gemessen. Hier sollte der Wert 10 ppm (Anzahl der Wasserstoffteilchen pro eine Million Luftteilchen) nicht überschreiten. Anschließend erhalten Sie ein Glas Wasser, in dem Laktose aufgelöst wurde. Die Atemluftmessungen werden nun in den nächsten Stunden regelmäßig wiederholt. Eine Laktose-Intoleranz liegt vor, wenn die Messwerte zwischen 20 und 200 ppm liegen. Nicht nur, dass Sie sich während des gesamten Tests, der durchschnittlich 3 bis 4 Stunden dauert, in der Nähe des Messgerätes aufhalten müssen, es können durch die gezielte Zufuhr von Laktose auch heftige Symptome auftreten.

Therapie

Die laktosefreie oder laktosearme Ernährung ist derzeit die einzige Möglichkeit, die Beschwerden der Laktose-Intoleranz zu umgehen.

Hat sich der Verdacht auf Laktose- Intoleranz bestätigt, so sind Sie in der glücklichen Lage, Ihre Beschwerden und das anhaltende Unwohlsein richtig einordnen zu können. Ein wirksames Mittel gegen das Leiden gibt es leider jedoch noch nicht. Nach heutigem Kenntnisstand besteht keine Möglichkeit, den Laktasemangel auszugleichen und die Laktose-Intoleranz ursächlich zu heilen.

Je nach Ausprägung der Laktose-Unverträglichkeit ist es sinnvoll, dass Sie sich milchzuckerarm ernähren. Zusätzlich ist es möglich, durch Einnahme von Laktase-Präparaten die Beschwerden zu lindern. Eine für die komplette Milchzuckeraufspaltung ausreichende Laktasezufuhr durch Medikamente ist derzeit nicht möglich. Denn die durch die Präparate zugeführte Laktase wird zum Teil bereits im Magen inaktiviert und steht damit für die Laktoseaufspaltung nicht mehr zur Verfügung. Die Einnahme von Laktase-Präparaten bietet sich aber an, um die Symptome abzuschwächen, oder aber, wenn ein laktosehaltiges Essen nicht vermieden werden kann.

  Auf keinen Fall sollten Sie eine diagnostizierte Laktose-Intoleranz einfach ignorieren. Immer wiederkehrende Verdauungsbeschwerden mit Durchfall schädigen die schützende Darmschleimhaut. Dadurch verliert sie zum einen ihre natürliche Abwehrfunktion, so dass z. B. Fremdeiweiße aus der Nahrung und Keime leichter in den Organismus eindringen können. Zum anderen bilden die Zellen der Dünndarmschleimhaut die Laktase. Bei geschädigter Darmschleimhaut steht folglich noch weniger Laktase zur Verfügung. Laktose wird noch schlechter vertragen und die Symptome verschärfen sich.

BGV Info Gesundheit e.V. • Heilsbachstr. 32 • 53123 Bonn • E-Mail: info(at)bgv-info-gesundheit.de

Kontakt Sitemap Impressum